Am 9. November kam das Who is Who der Kulinarik im Hamburger Hotel Grand Elysée zusammen, um im Rahmen der Feinschmecker Wine Awards die Weinstars des Jahres 2024 zu feiern. Im bis auf den letzten Tisch besetzten Festsaal zeichnete das Gourmetmagazin zum 21. Mal herausragende Wein-Persönlichkeiten aus.



Moderation mit Musik
Was auf den ersten Blick recht hanseatisch-gediegen wirkte und eine dieser endlosen Preisverleihungen hätte werden können, entwickelte sich zu einem großartigen und überraschend kurzweiligen Event. Mit Inka Schneider führte eine schlagfertige Moderatorin durch den Abend, Feinschmecker-Chefredakteurin Gabriele Heins sprach auf der Bühne so locker und souverän, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte. Und der Jazzpianist, Komponist und Entertainer Joja Wendt brachte zu jedem Preisträger und jeder Preisträgerin ein furioses Stück am Klavier auf die Bühne.



Herausragende Weinpersönlichkeiten
Bewegend war das, als die Näkel-Schwestern („Winzerinnen des Jahres“) erzählten, wie sie sich in der ersten Flutnacht auf einen Baum retten mussten – und doch mit ihren ausgezeichneten Spätburgundern zurück sind. Oder die Sieger des Riesling-Cups, Matthias und Hansjörg Aldinger, den Preis ihrem legendären Weinmacher-Vater Gert widmeten, Winzer Willy Bründlmayer (Lebenswerk) schrieb einen Teil seines Erfolgs seiner französischen Frau Edwige zu. Die Newcomerin des Jahres und Königin des Verdejos, Esmeralda García, die fest verwurzelt mit dem Boden ihrer Heimat León-Kastilien ist und nur spanisch spricht. Oder der Weinbotschafter des Jahres, Jens Pietzonka, der die Weine seiner sächsischen Heimat nicht nur in die Sternegastronomie. sondern auch zum DFB und ins After-Work-Clubbing bringt. Das provokante Statement des Weingourmets des Jahres, Schauspieler Herbert Knaup, schien auf die Feinschmecker-Gala ganz besonders zu passen: „Wein macht, im Gegensatz zu Bier, Menschen besser und interessanter.“


Spitzenweine der Sieger:innen
Im Anschluss an die Verleihung der Feinschmecker Wine Awards 2024 luden die ausgezeichneten Winzerinnen und Winzer dazu ein, ihre Sieger- und Spitzenweine zu verkosten. Wer lieber keinen Alkohol trinken mochte, konnte die alkoholfreien Alternativen von Jörg Geiger probieren. Die sind toll, aber nicht nur angesichts eines sehr verführerischen 2012 Roederer Cristal (Weinlegende 2024: Jean-Baptiste Lécaillon) auf der Empore hatten sie es an diesem Abend schwer. Neben den fantastischen Flaschen, die die Sieger:innen mitgebracht hatten, waren die Winzer:innen aus Istrien (einer der Sponsor:innen) ein echtes Highlight. Eine clevere Idee, dass der Service nur fürs Abräumen da war – wer trinken oder essen wollte, musste aufstehen und flanierend auf Entdeckungsreise gehen.



Das Who-is-Who der Kulinarik
Und zu entdecken gab es einiges: Nicht nur bei der Weinauswahl hatte der Feinschmecker seinem Namen alle Ehre gemacht. Beide Seiten des Festsaals flankierten die Tische einiger der renommiertesten Top-Köchinnen und -Köche des Landes. Mit Rosina Ostler (Alois, München), Cornelia Poletto (Cornelia Poletto, Hamburg) und der österreichischen Ausnahme-Patissière Jaimy Reisinger waren erfreulicherweise gleich drei weibliche kulinarische Superstars dabei. Ebenfalls für die Feinschmecker Wine Awards kochten vor Ort der beste vegane Koch Deutschlands Ricky Saward (Seven Swans, Frankfurt) sowie Marco Müller (Rutz, Berlin), der als einer von nur elf Köchen in Deutschland drei Michelin-Sterne hält. Ebenfalls live an den Stationen der Wine Awards 2024 waren die Spitzenköche Tobias Bätz (Aura, Wirsberg), der vielfach ausgezeichnete Österreicher Hubert Wallner (Hubert Wallner Gourmet Restaurant), Kochlegende Johann Lafer und Jan-Philipp Berner (Söl’ring Hof, Sylt) dabei. Von letzterem kam mein Favorit des Abends, ein umwerfender junger Rotkohl mit marzipanigem Pflaumenkernöl.

Hamburg leuchtet
Hamburg leuchtete an diesem außergewöhnlichen Abend, das einem Klassentreffen der Stars der Wein- und Kulinarik-Szene gleich kam. So ließen sich auch Wein-Granden wie Italien-Spezialist Jens Priewe und Österreichs Top-Sommelier Gerhard Retter, der bestens gelaunt mit seiner Frau Cornelia Bovensiepen feierte, die Feinschmecker Wine Awards nicht entgehen. Am Tisch der Chefredakteurin saßen Steakhaus-Erbin Christina Block mit ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling. Vom Jahreszeiten Verlag waren Verleger Sebastian Ganske und Feinschmecker-Herausgeberin Madeleine Jakits persönlich da. So hamburgerisch die Anmutung, so ausgelassen war die Stimmung gen Mitternacht: Was macht es da schon, dass ein Absatz meiner sündhaft teuren Leopardenpumps der durchtanzten Nacht zum Opfer fiel.
Die Preisträger und Preisträgerinnen der Wine Awards 2024
Newcomerin des Jahres: Esmeralda García
Winzerinnen des Jahres: Dörte und Meike Näkel, Weingut Meyer-Näkel
Award für das Lebenswerk: Willi Bründlmayer
Weinlegende: Jean-Baptiste Lécaillon, Champagnerhaus Roederer
Weinbotschafter: Jens Pietzonka
Riesling Cup 2024: Matthias und Hansjörg Aldinger
Weingourmet des Jahres: Herbert Knaup